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Zum Verständnis des “klassischen” Tropus 1

WithBruno Stablein (Erlangen)

Vorbemerkung. “Klassisch” nennt der Verfasser jenes stilistisch einheitliche, in seiner textlichen und melodischen Beschaffenheit ausgewogene Tropen-Corpus, das die Handschriften des späten 10. und des 11. Jhs., z. T. auch noch später, überliefern und das den ersten, und doch wohl auch einzigen Höhepunkt dieser Kunst darstellt. Beiseite bleibt die Frage mach der Entstehung und den Uranfängen des Tropus, beiseite bleiben auch die instrumentalen, bzw. textlosen, wohl erst nachträglich textierten Zwischenspiele, wie sie in einzelnen Handschriften, vor allem St. Gallens, sich finden 2 , die als Früh- oder Vorstufe einer gesonderten Behandlung Vorbehalten bleiben. Sehr schwierig ist es, eine Zeitspanne zu nennen, wenigstens was den Anfang betrifft, da die Handschriften bereits in die große Zeit fallen und die Erscheinungen der frühen und der klassischen Stufe unvermischt nebeneinander enthalten. Ich möchte meinen, und das mit allem Vorbehalt und nur als Vermutung, die allerdings auch nicht unbegründet ist, daß das Auflaufen zu der genannten großen Höhe der Klassik vor die Mitte des 10. Jhs. anzusetzen ist (vielleicht eine Idee später als die parallele Entwicklung der Sequenz). Ihren Höhepunkt dürfte sie nach den 30er Jahren des 11. Jahrhunderts schon überschritten haben. Doch zur Sache: